Allgemeine Zeitung Alzey vom 30.12.1997
Die Allüren der Akteure
Neues
Stück im Gerry-Jansen-Theater erlaubt Blick hinter die Kulissen
kbä. - "Es wird viel passieren!"
Mit den Worten, mit denen eine Vorabendserie wirbt, damit charakterisierte Gerry
Jansen auch die neue Komödie seines Theaters in der Hellgasse.
"So ein Affentheater" heißt das Stück, und worum es geht, ist
nicht ganz einfach zu erklären.
Man findet sich anfangs in einer Arztpraxis wieder, in der ein arroganter
Schnösel, Dr. Axel Lichtaus (Gerry Jansen), frisch von der Uni kommend seine
Krankheitsvertretung antritt.
Seine Arzthelferin Fräulein Lolly (Beate Rummel) ist alles andere als intelligent
und läßt sich von dem eher zweifelhaften Charme des Doktors um den Finger wickeln.
"Ich bete sie an", haucht sie ...
"Gut, dann überweisen sie ihre Kirchensteuer auch gleich auf mein Konto",
ist die Reaktion des Arztes.
Erst nach einigen Minuten, als die Schauspieler unvermittelt einen anderen Ton
untereinander anschlagen und Dr. Axel Lichtaus mitten im Satz anfängt, nach
dem Bühnenarbeiter zu brüllen, stellt man fest, daß man mitten in die Generalprobe
eines Theaterstückes geplatzt ist.
Und so lernt man die Schauspieler mit ihren Allüren, Macken und Querelen untereinander
kennen.
Der Snob Lichtaus ist gleichzeitig der Regisseur des Stückes und tyrannisiert
seine Schauspieler mit Spritzen, besticht sie notfalls auch mit höheren Gagen
und schikaniert seine Angestellten...
Um die Wahrhaftigkeit der Schmerzensschreie seines Kollegen Peter Petersen (Ralf
Sande) zu erhöhen, jagt er ihm eine Spritze nach der anderen in den Allerwertesten.
Seine „Arzthelferin" beschimpft er als dumm, und Bruno Brobansky (Lothar
Wirth), der eigentlich lieber Shakespeares Klassiker spielen würde, erinnert
er daran, daß er schon einen Vorschuß auf seine Gage erhalten hat.
Und auch untereinander sind
sich die Schauspieler alles andere als einig.
Nur einer läßt sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen: August Schreberli
(Detlev Nyga), der Schweizer Bühnenarbeiter, der meist auf der Suche nach seinem
Pausenbrot ist und sich durch nichts in seiner stoischen Ruhe stören läßt.
Nach der Pause darf man dann der Premiere beiwohnen: Und nun bekommt Axel Lichtaus
die Rache für seine Schikane, denn die Schauspieler drehen den Spieß nun um,
halten sich nicht an den Text und verpatzen somit die ganze Premiere.
"Wir hatten nur neun Probentage", erzählte Gerry Jansen von der Vorbereitung
des neuen Stücks. Die Weihnachtstage kamen dazwischen und am 25. Dezember lieferte
Jansen die letzten Texte zum Stück.
"Vieles, was sie nun sehen, ist wirklich passiert, aber natürlich nicht
alles", kündigte er an.
Die Premiere ging im Gegensatz zu der Premiere im Stück dann auch reibungslos
über die Bühne. Zuschauer durften auch eine Rolle übernehmen und bei der Beleuchtung
der Bühne helfen. Und zu lachen gab es einiges. Die pathetischen Verse des Bruno
Brobansky, die Grimassen des gebeutelten Axel Lichtaus und der Schweizer Dialekt
und Humor des "Schräberli mit ä" sorgen für eine Menge Spaß.