Alzeyer
Zeitung vom 15.11.2000
Blaublütige
Mutter droht mit Nachtisch-Entzug
„Mama
ist die Beste“ feiert im Gerry-Jansen-Theater Premiere
hb.
- Mit großem Erfolg ging die Premierenvorstellung des neuen Stücks im
Gerry-Jansen-Theater „Mama ist die Beste!“ über die Bühne.
Lachen ist gesund. Das ist nicht nur eine altbekannte Weisheit aus dem
Volksmund, sondern längst wissenschaftlich anerkannt. Gelotologen (Lachforscher)
attestieren, dass eine Minuten Lachen so erfrischend wie 45 Minuten
Entspannungstraining wirkt.
Wenn man nun hochrechnet, wie viel dies bei dem gut zweistündigen Programm des
Gerry-Jansen-Theaters aus macht, kann es theoretisch nur noch eine Frage der
Zeit sein, bis es die Karten für die Komödien auf Krankenschein gibt.
Im dem neuen „matriarchalischen" Stück aus der Feder von Gerry Jansen gab
es den ersten Applaus bereits, nachdem sich der Vorhang zum Premierenauftakt
erstmals gehoben hatte.
Den Bühnenbildnern Markus Klingenberg und Andreas Engel ist wieder eine Meisterleistung
gelungen.
Den Zuschauern wird die vollendete Illusion geboten,
sich mitten in einem hochherrschaftlichen Kaminzimmer eines Adels-Herrensitzes
zu befinden, wo nicht einmal die Ritterrüstung fehlt.
Hier herrscht
unangefochten die dominante Yphigenie zu Keifenstein, souverän gespielt von
Katrin Burghardt, die mit ihren 85 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen
gehört.
Dass sie kurz vor der Premiere noch im Krankenhaus lag, war dem Spiel der
professionellen Schauspielerin alter Schule nicht anzumerken.
Sonderbare Erziehung
Mit heutzutage kaum noch aktuellen Erziehungsmethoden wie Rohrstock und
Nachtisch-Entzug versucht Yphigenie, ihren Söhnen Anstand beizubringen. Bei
ihrem Lieblingssohn Götz (Gerry Jansen) ist ihr das scheinbar gelungen, hat er
doch ihr zuliebe die Pfarrerlaufbahn in einem Stift angetreten und finanziert
noch obendrein - allerdings nicht 'ganz uneigennützig - das dienstbeflissene
französische Hausmädchen Babette.
Dieses wird von Beate Rummel hinreißend verkörpert und sorgt wegen seiner
Sprachverwirrungen für Heiterkeit.
Babette nimmt vor dem mit seinen 50 Jahren reichlich spät
pubertierenden Filou Kunibert kein Blatt vor den Mund.
Dieses
schwarze Schaf in der Familie wird von Lothar Wirth mit köstlichem Mienenspiel
verkörpert und versucht, der gnadenlosen Mutter seine neue Liebe, die reizvolle
„Sängerin" Lydia (perfekt besetzt mit Karola von Klass) nahe zu bringen.
Zwischen den Rivalinnen entsteht ein spannendes Duell mit gespielten
Herzattacken seitens der alten Dame und listigen Schachzügen von Lydia, die
sich dabei allerdings am falschen Taxifahrer vergreift.
Als Kunibert
schließlich seinen Bruder zur Palastrevolution anstiftet, wird es richtig
turbulent und am Ende lüftet sich zur Überraschung aller noch ein bis dahin gut
gehütetes Geheimnis...
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Alzeyer
Wochenblatt vom 16.11.2000
Wir
lieben unsere Mama doch?!
Premiere
der Komödie „Mama ist die Beste" im Gerry Jansen-Theater
ALZEY
(ua) - Götz (GerryJansen) liebt Reisbrei mit Mandarinenschnitzelchen, den seine
Mama (Katrin Burghardt) extra für ihn kocht, und er darf aus einen kalt
gestellten Schüsselchen vorher probieren.
Götz ist Mamas Lieblingssohn, den sie wohl behütet im Stift weiß, weil Götz
schon etwa 30 Jahre alt ist und auf Wunsch der Mama katholische Theologie zu
studieren vorgibt.
Ganz anders sein älterer Bruder Kunibert (Lothar Wirth), der aber noch bei
seiner Mama lebt. Der raucht und trinkt Alkohol.
Doch „Wer raucht und trinkt, der ist ein Knilch, für gute Buben gibt's nur
Milch. "
Wenn die Mama den Kunibert dabei erwischt, hagelt's Hiebe mit dem flugs von
Hausmädchen Babette (Beate Rummel) herbei geholten Meerrohrstöckchen...
Dass ihr Verlobter "Bertl" wie Lydia (Carola
von Klaß) Kunibert liebevoll nennt, der strengen Mama gehorcht, bringt sie in
Kampfstimmung und Kunibert in Gewissenskonflikte.
Nur - weder Götz noch Kunibert sind die lieben kleinen Buben, wie ihre Mama sie
so gern hätte.
Sie erhalten diese Farce aufrecht wegen der Herzanfälle, die die
Mama regelmäßig „befallen" - nämlich dann, wenn die Buben nicht so wollen
wie sie.
Damit schürt sie deren schlechtes Gewissen und erhält den Anschein zweier
wohl erzogener Jungen aufrecht, denen sie eine strenge, aber in ihren Augen
gute Erziehung angedeihen lassen wollte...
Wie sich die Dinge aber umkehren, so
dass die Mama ihre Buben am Liebsten zur Adoption frei geben und dafür zwei
„Herzengelchen" als Töchter haben möchte, das erfahren die Zuschauer des
neuen Stückes im Gerry Jansen-Theater...
Es ist wie immer zum heftigen Strapazieren der Lachmuskeln geschrieben.
Trotzdem gibt es Anregungen zum Nachdenken für so manch eine Schwiegertochter,
deren Mann sich immer noch nicht ganz dem Einfluss seiner lieben Mama entzogen
hat.
Überspitzt, witzig, spritzig und skurril zeigen die perfekten Schauspieler
eine Art lustigen Ödipuskomplex...
Eben wie es sich für das Gerry Jansen-Theater gehört, ein Markenzeichen.
Dort sollen sich die Zuschauer wohl fühlen, laut und herzlich lachen und danach
den Alltag nicht allzu ernst nehmen.