Alzeyer Zeitung vom 15.05.2000
Nicht
ganz jugendfrei
"Schlimmer
geht's immer": Premiere bei Gerry Jansen
hb.
- Mit vollem Körpereinsatz brachte das Ensemble des Gerry-Jansen-Theaters
erfolgreich die Premiere des neuen Stücks "Schlimmer geht's immer"
über die Bühne.
Technische Finessen im aufwendig gestalteten Bühnenbild sorgen
für gelungene Überraschungseffekte.
Dabei galt auch für die Crew der Titel
dieser frivolen Komödie.
Dass die Schauspieler ihren Text, den sie vom Autor
auf den Leib geschrieben bekommen, immer erst in letzter Minute zu sehen
kriegen, sind sie mittlerweile schon gewöhnt.
"Sie sind mir noch nicht
einmal mehr böse", wunderte sich Gerry Jansen bei der Begrüßung der
Premierengäste.
Aber diesmal mussten sie sogar auf eine Generalprobe
verzichten, weil das aufwendige Bühnenbild noch nicht fertig war.
So war die
Uraufführung ein Sprung ins kalte Wasser, denn das Funktionieren der
Bühnenbildtechnik macht einen erheblichen Teil des Stückes aus.
"Es ist
sehr warm hier. Das hat den Vorteil, dass Sie ein bisschen mit uns und unserem
Angstschweiß mitleiden können", witzelte Gerry Jansen...
Er hatte nicht zu viel versprochen.
Markus Klingenberg und Andreas
Engel haben tatsächlich sämtliche Rekorde in der Geschichte des Alzeyer
Theaters mit ihrer bühnenbildnerischen Gestaltungskunst gebrochen.
Die integrierten technischen Finessen verfehlten ihre Wirkung beim Publikum
nicht.
Griechische Säulen geben beim Drehen ihren pikanten Inhalt frei. Der Spiegel
hat eine frivole Rückseite.
"Nicht unbedingt für Kinder unter 16 Jahren
geeignet" sei das Thema des neuen Stückes, warnte Gerry Jansen ...
Er habe sich lange überlegt, ob er eine Komödie über die
Schwulenszene wagen könne.
Der Premieren-Erfolg gab ihm jedoch recht.
Mittelpunkt des Stückes ist Lothar Wirth, der seine bewährten schauspielerischen
Qualitäten in der Rolle des vom Pech verfolgten Börsenberaters Rolf Schwipps
zeigt. Dabei muss er sich nicht nur seiner Hose entledigen und viel Bein
zeigen...
Gerry Jansen selbst schlüpft nicht nur in die Rolle des schwulen Friseurs
Manfred Auer, sondern auch in reizende Unterwäsche.
Mit der Verpflichtung von Uwe Hörner, der auf lachmuskelstrapazierende Weise
Siegfried Lau, den Ex-Freund von Manfred, darstellt, ist dem Autor und Regisseur
ein Glücksgriff gelungen.
Die Mimik des Charakterkopfes sorgte von der ersten
Sekunde seines Auftritts für Begeisterung...
Mit ihm verbündet sich
die untreue Ehefrau von Rolf alias Carola von Klaß, um ihren Mann wieder für
sich zu gewinnen.
Als schlagkräftig erweist sich Tanja Götemann in der Rolle
der aufdringlichen Nachbarin Nadja Dobrowalsky.
Über viele Turbulenzen gelangen
die Akteure zu der Moral von der Geschicht:
"Klingelt nachts an fremder
Männer Türen nicht!"
Alzeyer Wochenblatt, 18.05.2000
"Schlimmer
geht's immer"
Spritzig,
erfrischend und mit viel Situationskomik - Premiere im Gerry Jansen-Theater
ALZEY
(bo) - "Schlimmer geht's immer" -
ob sich das auch manchmal die
Schauspielerinnen vom Gerry Jansen Theater denken, wenn sie einen Tag vor der
Premiere den restlichen, Text bekommen?
Gerry Jansen, der Autor und Regisseur
des Stückes bekannte, die Schauspieler hätten sich diesmal nicht einmal
beschwert...
Gelungen ist der Drahtsseilakt mit dem neuen Stück, das nicht nur
urkomisch ist und skurrile Charaktere aufweist, sondern auch das Thema
Homosexualität mit Feingefühl und Toleranz anschneidet.
Auch die kleinen Gags
kamen so gut an, dass es Szenenapplaus gab...
Neu im Ensemble ist Uwe Hörner vom Theater in Frankenthal,
der überzeugend und mit ausdrucksstarker Mimik den überdrehten Schauspieler
Siegfried Lau spielte.
Das Bühnenbild ist phantastisch und wurde mit viel
Akribie und Arbeitseinsatz von Markus Klingenberg und Andreas Engel gestaltet.
Der Vorhang geht auf, und der Blick schweift über ein mit einer rosa Federboa
behangenes Wohn-Schlafzimmer, überall posieren Männerfiguren, wie der
lebensgroße "Bernhard" an der Wand, mit dem für Fans wohlbekannten
goldglitzernden Höschen angetan.
Von hier aus kann das Klappbett mit rosa
Herzchen raffiniert heruntergelassen werden.
Neckisch das "Männeken
piß" mit einer Schiffermütze, zum Whiskyspender umfunktioniert.
Das sei früher die Wohnung eines Callboys gewesen, erklärt der Friseur Manfred
Auer (Gerry Jansen) seinem unbekannten, nächtlichen Besucher, dem sturzbetrunkenen
Börsenberater Rolf Schwipps (Lothar Wirth), für den es schlimmer kaum kommen
kann: Er verliert an einem Tag seinen Job, sein Auto und seine Frau.
Aus purer
Menschenfreundlichkeit lässt Auer den frustrierten Schwipps in seine Wohnung.
Wer sich auskennt, weiß spätestens beim Anblick der regenbogenbunten Fahne, wo
er ist: ...
Schwipps wird das zu heiß, und er will lieber das
Weite suchen.
Aber er überlegt es sich anders, und die beiden schließen
Freundschaft.
Da taucht Schwipps' reuemütige Ehefrau Christa (Carola von Klaß)
auf, um ihren Mann zu suchen.
Auch Manfreds Ex-Freund, der skurrile Siegfried Lau (Uwe Hörner) taucht auf
und das ungleiche Pärchen schmiedet Pläne, um den jeweiligen Partner zurückzugewinnen.
Die schöne, temperamentvolle, aber leider
auch aufdringliche Nadja Dobrowalsky (Tanja Götemann) mit unverkennbar
russischem Akzent versucht vergeblich, sich an Manfred heranzumachen ...
Am Ende gibt es aber ein Happy-End, auch wenn der gutbürgerliche Rolf Schwipps
zuvor noch in die Fummel eines Call-Boys steigen muss und in hochhackigen Pumps
über die Bühne eiert
- schlimmer geht's immer!