Allgemeine Zeitung Alzey vom 12.04.1999
Schrille
Weiberwirtschaft
Premiere
im Gerry-Jansen-Theater: Eroberung der männerfreien Zone
hb. - Volles Haus hatte das Alzeyer Gerry-Jansen-Theater bei der Premiere zur
furiosen Komödie mit dem Titel
"Weiberwirtschaft"
Für alle Beteiligten sei die Entwicklung des neuen Stückes wieder einmal eine
Achterbahnfahrt gewesen, bei der die Wagen manchmal schneller liefen, als die
Schienen verlegt werden konnten, plauderte Autor und Regisseur Gerry Jansen...
Kaum waren die wegen des großen Erfolges verlängerte Komödie "Sind wir
nicht alle ein bißchen verrückt" und das beliebte Kindermusical vom
kleinen Drachen "Schnabababaratz" ausgelaufen, mußte sich die
bewährte Darstellercrew komplett umstellen.
Dabei wurden die Texte zum Finale wie schon so oft erst kurz vor Probenschluß
geliefert, erfuhr das gespannte Premierenpublikum.
Andreas Engel und Markus Klingenberg, zuständig fürs Bühnenbild, sorgten für
eine solide Kulisse.
Nun müßten die Darsteller beim Zuschlagen der Türen nicht mehr befürchten, daß
die ganze Wand umfällt, lachte Jansen.
Lobend erwähnte Jansen die erfolgreichen Bemühungen des Fördervereins zum
Erhalt der Komödie in Alzey.
Nachdem der Theatervorhang das neue Bühnenbild
freigegeben hatte, kam für das Publikum bereits die erste Überraschung.
"Ei gude wie?"
tönt die ethnologisch angehauchte Katja alias Beate
Rummel im breitesten Hessisch ins Telefon.
Auch der Part ihrer mit etwas
weniger Gehirnzellen gesegneten WG-Genossin Lisa (ultra-blond gespielt von
Tanja Götemann) ist mit Mannheimer Dialekt mundartlich besetzt.
Zusammen mit ihrer Wohnungswirtin und Freundin Louise (Carola von Klass) als
romantische, aber erfolglose Autorin von Kitschromanen) müssen die drei so
unterschiedlichen Frauen herausfinden, ob es die wahre Freundschaft entgegen
der anderslautenden Behauptung des Volksmundes wirklich nur unter Frauen gibt.
"Wir Frauen sind doch die besseren Männer", ist sich das Trio so
lange einig, bis der erste Herr der Schöpfung in der bis dahin strikt männerfrei
gehaltenen Wohnung auftaucht.
Nun ist die Frage, wie es mit den "auf ewig" beschworenen
Treueversprechungen wirklich aussieht.
Der vom Publikum für sein ausgeprägtes Mienenspiel mit viel Szenenapplaus
bedachte Lothar Wirt als schüchterner Verleger und Gerry Jansen in der Rolle
des abgebrühten Zeitschriften-Drückers bringen die heile Welt der
"Weiberwirtschaft" gehörig ins Wanken.
Sind
Frauen die besseren Männer?
Neue
Komödie "Weiberwirtschaft" begeisterte im Gerry Jansen-Theater
ALZEY
(ua) - Drei Frauen in einer Wohngemeinschaft mit absolutem Männerverbot,
ausgesprochen von der Wohnungseigentümerin Louise...
- das ist die Ausgangssituation im
neuen Stück von Gerry Jansen.
Ob die drei Damen damit zurechtkommen, ist eine andere Frage.
Da ist erst mal Lisa (Tanja Götemann), die die Klischee-Blondine verkörpert
und bei Männern nichts anbrennen läßt.
Katja (Beate Rummel) schwelgt in Indianer-Träumen, und Louise setzt ihre
Sehnsüchte in Herz-Schmerz-Romanen um.
So kann es nicht weitergehen, beschließt
Lisa und gibt zwei Annoncen für ihre Freundinnen auf, denn ihr selbst fehlt es
nicht an männlichen Bekanntschaften.
Auch wenn Katja dies kommentiert mit
"Du bist ja so bleed!" und Louise sich Mühe gibt, ihrer Freundin die
Poesie zu erklären, weiß Lisa, daß in dieser Weiberwirtschaft eins fehlt:
Männer!
Die können wenigstens die Fliesen im Bad verlegen, aber sie pinkeln leider im
Stehen und vertragen einfach den Kirschlikör nicht, den Lisa nach Omas altem
Hausrezept herstellt.
Jedenfalls schneien auch zwei Typen ins Haus (Gerry Jansen und Lothar Wirth),
die Lisa irrtümlicherweise für die Bewerber aus den Annoncen hält und entsprechend
dem Geschmack ihrer Freundinnen stylt, wobei der berühmte Kirschlikör die
Männer mehr oder weniger willig werden läßt.
Sie beweisen, daß sie nicht, wie Louise nach einer Enttäuschung behauptet
"die größten Blender der Schöpfung" sind...
Tanja Götemann, Beate Rummel und Carola von Klass beweisen wieder einmal ihre
perfekte Schauspielkunst, ebenso wie Lothar Wirth und Gerry Jansen.
Lothar Wirth, der oftmals den Draufgänger und Frauenheld spielte, erleben die
Zuschauer dieses Mal als eher schüchternen Verleger.
Regisseur Gerry Jansen brilliert als Charmeur...
Ob Frauen tatsächlich die besseren Männer sind und Männer sich manchmal
"wie eine Schnecke beim Seilhüpfen" benehmen, sollte man sich am
besten selbst ansehen.